| 05. Mai 2010 L-IZ.de Leipziger Internetzeitung |
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Raus aus dem Dornröschenschlaf: Offene Türen im Bülowviertel am 8. Mai "Besucher werden ganz neidisch, wenn ich mit Ihnen in dieses Quartier gehe", sagt Martin zur Nedden, Planungsbürgermeister der Stadt Leipzig. Die Rede ist weder vom Waldstraßenviertel noch von der Südvorstadt. Er spricht vom Bülowviertel. Nie gehört? - Das kann schon sein. "In Westdeutschland wäre dieses Viertel ein Selbstläufer", sagt zur Nedden. Denn es ist zwar von Hauptstraßen umgeben - aber schon ein paar Schritte in die Bautzmann-, die Gretschel-, die Geißler- oder die Paulinenstraße hinein genügen, und man findet sich zwischen Vorgärten, vielen Bäumen und auf 100-jährigem Pflaster. Und es ist ruhig. Es ist eine Oase im Leipziger Osten. Und weil es in der abgeschiedenen Lage eben doch kein Selbstläufer wurde, ging vor einem Jahr erstmals die Idee von einer Eigentümer-Standort-Gemeinschaft um - vorgetragen vom Leipziger Hausbesitzerverband Haus & Grund, aufgegriffen vom Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung (ASW). "Quartiersentwicklung funktioniert hier nur, wenn die Eigentümer vor Ort sich einigen", sagt auch Peter Stubbe. Als Besitzer mehrerer attraktiver Mehrfamilienhäuser ist die LWB einer dieser Eigentümer, will aber nicht den Platzhirsch und den Vorreiter spielen. "Ich sage es vorweg: Diese Häuser sind nicht unser Kernbestand, sondern Objekte, die wir verwerten wollen", sagte er gestern. Per Pressekonferenz lud der im Sommer 2009 gegründete Bülowviertel e.V. ein zum ersten Tag der offenen Tür am Samstag, 8. Mai, im Bülowviertel. Da kann, wer sich auf die Socken macht, die Schönheiten des Viertels selbst entdecken. Und er kann sich kundig machen über das, was hier passieren soll. Denn nicht nur das ASW engagiert sich hier. Auch das Selbstnutzer Kompetenzzentrum geht mit einer neuen Idee an den Start. Zwei Häuser in der Paulinenstraße - das Eckensemble 21 und 23 - sollen für ganz besondere Selbstnutzer erschlossen werden: solche nämlich, die noch nicht so nachhaltig gut verdienen, dass Banken ihnen für Eigentumserwerb einen Kredit einräumen. Denn bislang lebt die sehr spannende Leipziger Selbstnutzer-Szene von Leipzigern, die zum Retten und Bewohnbarmachen schöner alter Häuser auch das nötige Kleingeld haben. Doch viele träumen zwar davon - nur hilft ihnen keine Bank. Jetzt hat das Selbstnutzer-Kompetenzzentrum eine neue Idee aufgelegt, wie es eben doch klappen könnte: eine Wohnungsbaugenossenschaft SelbstWohnBau eG. Die Genossenschaft nimmt für alle Mitglieder einen Kredit auf und der wird von den Mitgliedern der Genossenschaft über eine Laufzeit von 20 Jahren gemeinsam getilgt. Mitglied der Genossenschaft werden alle, die in die beiden ersten Projekthäuser einziehen wollen. Vom Kredit werden die Sanierungskosten bezahlt. Und die Sanierungen werden vorerst weitestgehend auf das Notwendige beschränkt. "Eine normale Sanierung kostet gewöhnlich so um die 1.000 Euro je Quadratmeter", sagt Christoph Scheffen, der Chef des Kompetenzzentrums. Wenn vorerst nur das Notwendige - wie Heizung, Dämmung, Installation - angepackt wird, lässt sich der Quadratmeterpreis auf etwa 400 Euro senken. Andere Leistungen im Umfang von bis zu 300 Euro lassen sich in Eigenleistung erbringen. Bülowviertel - eine Oase im Leipziger Westen.Foto: Ralf Julke"Wir wollen von Anfang an den Genossenschaftsgedanken mit Leben erfüllen", sagt Scheffen. Deswegen sollen auch Gemeinschaftsräume im Haus entstehen. Das ist schon ganz ähnlich den bisherigen Selbstnutzerkonzepten: Die Hausgemeinschaft muss eng miteinander arbeiten. Dann kann es klappen. Die Eckgebäude Paulinenstraße schauen auf eine ganze Reihe von ähnlich attraktiven Häusern, wo dieses Genossenschaftsmodell sich genauso anbietet. Aber auch über Investoren, die Häuser im Ganzen übernehmen, wäre die LWB nicht unglücklich. "Es geht zuallererst um die Belebung des Viertels", betont Martin zur Nedden. Man sei auch in Gesprächen mit den LVB, um langfristig eine Aufwertung der östlichen Eisenbahnstraße zu konzipieren. Ob das alte Pflaster im Viertel liegen bleiben wird, könne er noch nicht sagen. Wer das Viertel kennt, weiß: Es macht einen wesentlichen Teil des Charmes aus. Und Autobesitzer werden sowieso ihre Schwierigkeiten mit dem Stellplatz bekommen. Das Viertel ist nicht für moderne Pkw-Besitztümer gebaut. Aber es hat alle Chancen, wenn nicht wirklich die dümmsten Fehler gemacht werden, zu einem attraktiven Familienquartier zu werden. Ein 900 Quadratmeter großer Bülowspielgarten ist in Planung. Im Haus Eisenbahnstraße 147 ist ein Quartiersbüro als "Gute Seele des Bülowviertels" geplant. Die Blockinnenbereiche sollen entkernt und von den Bewohnern gemeinsam gestaltet werden. Und einen "Quartiershausmeister", der putzt und hilft und repariert, soll es auch geben.
Das Ganze ist dann auch noch Forschungsprojekt im Bundesforschungsprogramm Experimenteller Wohnungs- und Städtebau, abgekürzt: ExWoSt. Wer sich informieren will, dem ist der Tag der offenen Türen am Samstag, 8. Mai, nur zu empfehlen. Der Ablauf:
L-IZ, 05. Mai 2010 von Ralf Julke
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