17. April 2010, Leipziger Amtsblatt

DAS Bülowviertel im Leipziger Osten ist ein Quartier ganz eigener Art. Eine großzügigere Bebauungsstruktur und zurückhaltende, aber architektonisch oft hochwertig gestaltete Gründerzeitgebäude mit zumeist nur drei oder vier Stockwerken und Vorgärten prägen den Charakter dieses sechs Hektar großen Areals östlich des Torgauer Platzes, das umschlossen wird von der Torgauer Straße, der Eisenbahnstraße und den Gleisen der Eisenbahnstrecke Leipzig - Dresden.

Privat und öffentlich gehen Hand in Hand
Trotz allem ist auch das Bülowviertel nicht von Problemen wie Leerstand, Sanierungsrückstand und Negativ-Image verschont geblieben. Dieses zu ändern und die Qualitäten des Quartiers voll zur Geltung zu bringen, haben sich engagierte private Eigentümer und die LWB auf ihre Fahnen geschrieben. Gemeinsam verfolgen sie eine abgestimmte Strategie, um ihr Viertel durch die Bündelung privater und öffentlicher Aktivitäten voranzubringen - seit dem Sommer 2009 unter dem Dach des Vereins Bülowviertel e. V. Sie definierten kurz- und mittelfristige Ziele und notwendige Maßnahmen, etwa die Pflege eines geplanten Spielplatzes oder die Etablierung eines eigenen Quartierhausmeisters. Die Umsetzung ist in Arbeit. Die Stadt unterstützt diese Bemühungen - misst doch ihr Integriertes Stadtentwicklungskonzept (SEKo) den Synergieeffekten abgestimmten privaten und öffentlichen Engagements große Bedeutung bei. Das Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung (ASW) koordiniert die städtische Unterstützung. So setzte es sich dafür ein, dass das Bülowviertel in das Forschungsfeld „Eigentümerstandort-gemeinschaften im Stadtumbau" des Bundesforschungsprogramms Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt) aufgenommen wurde. Das ermöglicht es, neue Wege zur Wiederbelebung des Viertels auszuprobieren und die notwendige öffentliche Aufmerksamkeit zu gewinnen, wozu den auf sich selbst gestellten Eigentümern der finanzielle Spielraum gefehlt hätte.

Selbstnutzer gefragt: Infos am 8. Mai
Zum anderen hilft das Selbstnutzer-Programm des ASW, Interessenten für noch leer stehende Objekte zu gewinnen. Eignen sich doch die zusammenhängenden Bestände unsanierter Gebäude im Bereich der mittleren Bülowstraße besonders für Selbstnutzer und Wohngruppen, die ein Haus gemeinschaftlich bewohnen und bewirtschaften wollen. Letztere können, um das Haus zu erwerben, in-Haus-Genossenschaften bilden - eine Chance besonders für junge Leute mit schmalem Geldbeutel. Interessenten sollten unbedingt den Tag der offenen Türen am 8. Mai nutzen, um sich mit den Möglichkeiten vertraut zu machen, die das Bülowviertel bietet. Verein, Stadt und Sächsische Aufbaubank (SAB) informieren an diesem Tage über die Genossenschaftsidee, und die Türen potenzieller Kauf- und Mietobjekte sind geöffnet. Ab 14 Uhr findet dann auch ein Quartiersfest mit Kunst und Musik statt.

 

Leipziger Amtsblatt, 17. April 2010 Nr. 8

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